06.Juni 2010, 12:14 Uhr
PES 2010
Axel de Rougé, Produzent und Studioleiter von PES 2011 hat in seinem Blog wieder neue Informationen über PES 2011 veröffentlicht und beschäftigt sich diesmal Rund um das Thema "KI". Den ganzen Beitrag könnt ihr gleich hier nachlesen.
Kopfschmerzen. Sich mit KI zu beschäftigen, bringt heftige Kopfschmerzen. Manchmal frage ich mich, wie meine Programmierer die Arbeit an der KI überhaupt überleben können. Die Ballphysik ist manchmal komplex, aber wenigstens basiert sie auf realer Wissenschaft - bei der KI müssen sich die Entwickler eine völlig neue Welt vorstellen. Und glaubt mir: ihre Intelligenz ist alles andere als künstlich. Sie ist absolut menschlich, leistungsstark und durch Algorithmen sowie 'Zustandsmaschinen' hervorgerufen, die die meisten von uns niemals verstehen werden.
Die Sache bei der KI ist die, dass sie entweder als komplettes System oder überhaupt nicht funktioniert.
Um KI für ein Fußballspiel zu programmieren, muss man Fußball mögen und 'kennen'. Einfach Bücher über Taktiken und beste Spielsysteme zu lesen (es gibt Leute, für die 1-2-7 die beste Aufstellung ist, aber das war im frühen 20. Jahrhundert :-)), reicht nicht aus, um die Essenz des Spiels einzufangen.
Vor zwei Jahren rief ich meinen früheren Fußballtrainer an (ich hatte 10 Jahre in einem Verein gespielt), einen Menschen, den ich immer wegen seiner Fähigkeit bewundert habe, das 'Intelligente' an Fußball zu vermitteln - warum Fußball die beliebteste Sportart der Welt und doch so anspruchsvoll wie eine 'Kunst' ist (Zitat meines ehemaligen Trainers). Ich war kein besonderer Techniker, also wollte mir mein Trainer lieber die Wissenschaft der Positionen, des Spielmachens, der Spielzüge und der Standardsituationen beibringen. Ich sollte lernen, wie ich mich an die Fähigkeiten meiner Mitspieler und die gegnerische Strategie anpasse, um schnell und auf die bestmögliche Art reagieren zu können. Ein vollständiges und unglaublich kompliziertes System, in dem es immer noch Raum für unerwartete und kreative Dinge gibt - das ist das Schöne an Fußball.
2008 und 2009 haben wir mit einigen wichtigen Mitgliedern der Programmier- und Design-Teams noch einmal Unterricht in Taktik und Spielmachen bei meinem früheren Trainer genommen. Danach übersetzten wir diese ganzen Dinge in Programmiererbegriffe, erstellten 'Regeln', 'Zustandsmaschinen', einige individuelle Spielerfähigkeiten, in ein kollektives System und das gesamte Team integriertes Bewusstsein und vieles mehr...
Mitunter kann es einen wirklich verrückt machen, wenn man eine KI testet und sie sich seltsam verhält. Manchmal ist das Ergebnis lustig (wenn sich ein Spieler zum Beispiel von einem Tackling niemals erholt und für alle Ewigkeit im Tor liegt :-)), manchmal ziemlich frustrierend. Die KI ist der schwierigste Teil bei der Entwicklung eines Fußballspiels - das steht schon mal fest. Man braucht seine ganze Energie und eine ziemlich gute Möglichkeit, Druck abzulassen, wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Zwischendurch gönne ich mir daher ab und zu eine Stunde Squash, damit es mir wieder besser geht, und normalerweise komme ich dann in wesentlich besserer Form zurück. Für meine Schläger gilt das allerdings nicht immer...
Also, ich hoffe, ihr hattet ein bisschen Spaß, aber jetzt muss ich wieder arbeiten. Wir hören uns!
Axel