02.September 2010, 11:59 Uhr - Westermann ist bereit für das Comeback
Die Statistik ist erdrückend: Seit dem 0:2 am 29. September 1954 in Brüssel, dem ersten Auftritt des frischgebackenen Weltmeisters nach dem Wunder von Bern, hat die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr gegen Belgien verloren. In 13 der 14 anschließenden Begegnungen ging die DFB-Auswahl gegen den Nachbarn als Sieger hervor, lediglich beim Test vor 28 Jahren trotzten die Belgier in München ein 0:0 ab.
Die Favoritenrolle ist also eindeutig zugeteilt, doch Joachim Löw hat eine andere Sicht der Dinge. Bei seinem Blick auf die Historie fiel dem Bundestrainer auf, "dass sich große Mannschaften nach guten Turnieren oft schwergetan haben im ersten Spiel danach".
Als Belege führt Löw die Italiener an, die im ersten Pflichtspiel nach dem WM-Titelgewinn 2006 zu Hause gegen Litauen nicht über ein 1:1 hinausgekommen waren. Und die Spanier, die sich nach dem EM-Titel 2008 im ersten WM-Qualifikationsspiel zu einem 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina gequält haben. Deshalb warnt Löw, die Hürde Belgien als lockere Pflichtübung abzutun: "Wir wissen, welche Gefahren auf uns lauern."
Weit entfernt von der WM-Form
Der Bundestrainer tritt die Reise nach Brüssel an diesem Donnerstag mit gemischten Gefühlen an. Denn sowohl seine Beobachtungstour an den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen wie auch die beiden Trainingseinheiten am Dienstag und Mittwoch in Frankfurt lieferten ihm die Erkenntnis, dass ein Großteil seines Personals noch weit von der bei der WM in Südafrika gezeigten Form entfernt ist. "Es ist ein ernsthaftes Problem, dass einige Spieler noch nicht ihren Leistungszenit erreicht haben", so Löw.
Namen nannte er nicht, doch es war auch so ersichtlich, dass er damit in erster Linie die Bayern-Fraktion um Philipp Lahm, Miroslav Klose, Thomas Müller, Holger Badstuber, Mario Gomez und Toni Kroos gemeint hatte. Ungewiss ist zudem, in welcher Verfassung Mesut Özil und Sami Khedira auflaufen, da die beiden Neuzugänge von Real Madrid noch weniger Wettkampfpraxis gesammelt haben als ihre Bundesliga-Kollegen.
Alle 21 fit: Wer ersetzt Friedrich?
Nachdem Stefan Kießling, der wegen Rückenbeschwerden am Dienstag aussetzte, am Mittwoch wieder ins Training einstieg, sind alle 21 Spieler einsatzbereit. Höchstwahrscheinlich wird Löw mindestens zehn Südafrika-Fahrer in der Startelf berücksichtigen. Umbauen muss er hingegen nach dem verletzungsbedingten Ausfall Arne Friedrichs seine WM-Abwehr. Möglicherweise wird Heiko Westermann zu seinem Comeback kommen. Der Neu-Hamburger galt als sicherer WM-Fahrer, zog sich aber im Testspiel gegen Ungarn in der letzten Minute einen Kahnbeinbruch zu. "Das ist verarbeitet, ich freue mich, wieder fit und dabei zu sein", so Westermann, den Löw im Training sowohl in der Innenverteidigung (für Badstuber) wie auch links (für Marcell Jansen) erprobte. Möglicherweise setzt er aber auch auf Badstuber/Jansen.
Autor: Christian