22.Mai 2011, 15:50 Uhr
Fussball
Der OSC Lille schwebt auf Wolke sieben. Nur eine Woche nach dem Triumph im Pokal machte der Klub aus Frankreichs Norden auch den Meistertitel perfekt und damit nach einer überragenden Saison gleichzeitig das Double. Die Lillois sind 56 Jahre nach dem letzten Titelgewinn im Partyrausch.
Ein 2:2 bei Paris St. Germain am 37. und damit vorletzten Spietag der Ligue 1 reichte dem Team aus dem früheren Kohlerevier am Samstagabend aus: Mit sechs Punkten Vorsprung vor Olympique Marseille ist der OSC nicht mehr einzuholen und kann dem Saisonabschluss ganz entspannt entgegensehen.
Vor 40.000 Zuschauern war Lille in Paris durch Obraniak (5.) und den Senegalesen Sow (60.), der mit 22 Treffern die Torschützenliste anführt, zweimal in Führung gegangen. Hoarau (45.) und Bodmer (72.) gelang jeweils noch der Ausgleich für den Tabellenvierten.
Es ist das erste Double der Lillois nach 1946 sowie der dritte Meistertitel nach 1946 und 1954. 1955 hatten die "Doggen", wie die Spieler in den rot-weißen Trikots wegen des Kampfgeistes früherer Kumpel-Generationen noch heute genannt werden, mit dem Pokal die letzte Trophäe geholt.
"Lille ist der König von Frankreich"
Klar, dass sich die französische Presse in Superlativen verloren: "Unumstößlich", titelte am Sonntag auf Seite eins die Sportzeitung "L'Équipe". "Lille ist König von Frankreich", schrieb das Fachmagazin "France Football" in seiner Onlineausgabe. Auch Premierminister François Fillon gratulierte: Lilles Sportsgeist habe den "Fußballwerten und auch der Großzügigkeit des Nordens Ehre gemacht."
In Lille brachen alle Dämme. Wie schon beim Pokalsieg - auch da hieß der gegner beim 1:0-Erfolg Paris St. Germain - bevölkerten Zehntausende Fans die Straßen. Auch Bürgermeisterin Martine Aubry jubelte mit: "Ein Traum ist wahr geworden, dieser Erfolg läßt uns die WM (das Fiasko der Nationalmannschaft 2010 in Südafrika) vergessen", erklärte sie.
Rami schon weg - wer folgt?
Was nach den Partynächten folgen wird, ist die Kehrseite der Medaille: Zahlreichen Akteure des OSC, die sich für den attraktiven Offensivfußball verantwortlich zeigten, werden Angebote ins Haus flattern. Ob die Meisterelf in dieser Form zusammenbleiben wird, steht in den Sternen: Torjäger Moussa Sow (25), das junge belgische Supertalent Eden Hazard (20), Elfenbeinküste-Stürmer Gervinho (23), Nationalspieler Yohan Cabayé (24) und Teamkapitän Rio Mavuba (25) wecken Begehrlichkeiten. Adil Rami (25) wird den "Doggen" auf jeden Fall den Rücken kehren: Sein Wechsel nach Valencia für fünf Millionen Euro ist schon seit vielen Monaten perfekt.