23.Mai 2011, 17:02 Uhr
Fussball
Der VfL Osnabrück fiebert dem Relegations-Rückspiel gegen Dynamo Dresden entgegen. Die Stimmung ist von Zuversicht geprägt, überschäumende Freude ist trotz der guten Ausgangslage mit dem 1:1 in Sachsen nicht zu orten. Für beide Teams ist das Spiel in Osnabrück nicht nur in sportlicher Hinsicht überlebenswichtig. Der VfL und Dynamo müssten bei einem negativen Ausgang finanzielle Einbußen hinnehmen.
Auf der rund 500 Kilometer langen Nachtfahrt zurück nach Osnabrück wurde die Partie ausgiebig diskutiert und analysiert, auch beim anschließenden Joggen in aller Herrgottsfrühe. Torwart Tino Berbig, der an alter Wirkungsstätte im Dresdner Hexenkessel die Ruhe bewahrte und seine Formstärke unter Beweis stellte, war zufrieden mit dem Resultat. Trotzdem sieht er es aber nicht als Freifahrtschein für den ersehnten Klassenerhalt. "Wir haben lediglich ein Etappenziel erreicht und sollten uns davor hüten, am Dienstag auf 0:0 zu spielen. Das ist viel zu gefährlich." Berbig hat nicht vergessen, dass Dynamo im Hinspiel die insgesamt bessere Mannschaft war und die größeren Chancen besaß.
Enochs: "Werden nach vorne spielen"
Auch VfL-Teamchef Joe Enochs mahnte eindringlich, dass es fahrlässig sei, "sich hinten reinzustellen und auf Konter zu warten". Enochs kündigte an: "Wir werden nach vorne spielen." Klappt das Konzept, wären die Niedersachsen der erste Zweitligist, der bei der dritten Auflage der Relegation den Klassenerhalt schafft. Vor zwei Jahren scheiterten die Osnabrücker in den beiden Entscheidungsspielen mit zwei 0:1-Niederlagen an Paderborn. Den finanziellen Kollaps verhinderte der VfL anschließend nur mit großer Mühe, sanierte sich vor allem dank einiger Pokal-Überraschungen. Der vierte Abstieg seit 2001 würde bei den Niedersachsen aber erneut harte Einschnitte erfordern.
Dynamo nur bei Aufstieg überlebensfähig
Dramatischer sieht es bei Dynamo aus. Bürgschaften für mehr als zwei Millionen Euro benötigen die Dresdener, wenn sie scheitern sollten. "Wenn wir keine Unterstützung von der Stadt oder den städtischen Unternehmen erhalten, dann ist die Situation aussichtslos", sagte Geschäftsführer Volker Oppitz. Denn nur in Liga zwei bestehen für den achtmaligen DDR-Meister wohl realistische Chancen, die zur Erteilung einer Lizenz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geforderten Bürgschaften zu erwirtschaften. Im Falle des Aufstiegs bekämen die Elbstädter, die bis 1995 in der Bundesliga spielten, mehr TV-Geld, benötigten wegen der steigenden Kosten aber trotzdem eine Bürgschaft von rund 800 000 Euro.
Osnabrücker setzen auf Heimstärke
Im mit 16 600 Zuschauern ausverkauften Stadion will der VfL die Geister der letzten missglückten Relegation von vor zwei Jahren vertreiben und setzt für das Rückspiel auf kontrollierte Offensive. Der wegen chronischer Zehenprobleme ausgewechselte Innenverteidiger Tobias Nickenig wird ein letztes Mal in dieser Saison auf die Zähne beißen, auch der im defensiven Mittelfeld agierende Konstantin Engel, hofft nach Oberschenkelproblemen auf die heilenden Hände aus der medizinischen Abteilung. Für den gelbgesperrten Benjamin Siegert dürfte Kristoffer Andersen den Platz in der Startelf einnehmen. Siegert sieht es als "Höchststrafe", das Spiel von der Tribüne aus verfolgen zu müssen. "Das wird die Hölle, dann will ich doch lieber auf der Bank sitzen. Ich hoffe, unser Doc hat die richtigen Beruhigungspillen für mich."
Flottmann: "Fans werden uns pushen"
VfL-Coach Heiko Flottmann glaubt daran, dass die legendäre Flutlichtatmosphäre in der Osnatel Arena sein Team am Dienstagabend mal wieder beflügeln wird: "So wie das Publikum in Dresden der zwölfte Mann für Dynamo war, so werden wir von unserem im Rückspiel gepusht."
Polizei befürchtet Ausschreitungen
Nicht ganz ohne Sorge bereitet sich die Polizei in Osnabrück auf die von der Elbe mitgereisten 1780 Gästefans vor. Schon mehrfach in der jüngeren Vergangenheit war der Dynamo-Anhang mit Krawallen und tätlichen Auseinandersetzungen unangenehm aufgefallen. So sperrte in der vergangenen Saison ein Urteil des DFB-Sportgerichts die Dresdner Fans von einem Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching aus. Erst im April dieses Jahres sorgte ein antisemitisches Transparent beim Gastspiel bei Hansa Rostock für Entsetzen bei den Dresdner Verantwortlichen.