03.September 2010, 18:40 Uhr
Fussball
Die 36 Profivereine der 1. und 2. Bundesliga haben für den DFB-Bundestag am 21./22. Oktober in Essen ihr Veto gegen eine Reform der Regionalliga angekündigt. Nach einer außerordentlichen Managertagung in Frankfurt am Main sagte Heribert Bruchhagen, Mitglied im Ligavorstand: "Wir haben uns über die Anträge unterhalten und sind zu dem Ergebnis gekommen, den Status quo beibehalten zu wollen."
Auf dem DFB-Bundestag am 21./22. Oktober in Essen liegen zwei Anträge vor mit dem Ziel, die bisherige dreigeteilte Regionalliga abzulösen. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband fordert, in der Regionalliga künftig zwei Staffeln nur aus ersten Mannschaften der Amateurvereine zusammenzusetzen und eine Extrastaffel mit den zweiten Teams der Lizenzklubs zu bilden. "Wir geben doch nicht Millionen für die Leistungszentren aus, um hinterher in irgendeiner witzlosen Reserverunde herumzuturnen", sagte Bruchhagen dazu zur Nachrichtenagentur dpa.
Das vom Bayerischen Fußball-Verband vorgeschlagene Modell sieht vor, die dreigeteilte Regionalliga in eine Oberliga mit acht Staffeln aufgehen zu lassen und eine gemeinsame neue vierte Spielklasse unter der Führung der Regional-und Landesverbände zu bilden.
Die DFL hat selber einen Antrag formuliert und darin die Beibehaltung der bisherigen Struktur gefordert. Sie möchte zudem die "wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Kriterien für die Zulassung sowohl der ersten als auch zweiten Mannschaften der Lizenzvereine neu definiert und überprüft" wissen.
Die Profivereine sehen durch den Vorstoß der Amateurvertreter ihre Nachwuchsarbeit bedroht. "Die jungen Spieler müssen gefordert sein, also um Auf- und Abstieg spielen. Es ist zwingend notwendig, dass sie im sportlichen Wettbewerb sind. Wir brauchen das zur sportlichen Weiterentwicklung unserer Talente", begründet Bruchhagen die Ablehnung.
2006 hatten die Klubs der DFL einen Kompromiss bei der Einführung der 3. Liga und der damit einhergehenden Umgestaltung der Regionalliga vereinbart und auf die Teilnahme ihrer 2. Mannschaften am DFB-Pokal sowie die TV-Honorare für ihre in den unteren Spielklassen vertretenen Teams verzichtet. Im Gegenzug hatten die Bundesligisten erwirkt, dass ihre Talente in der 3. und 4. Liga Spielpraxis sammeln können und nicht in einer eigenen Staffel eine verkappte Nachwuchsmeisterschaft ausspielen müssen.
Laut Bruchhagen dürften die Amateurvereine grundsätzliche Probleme im Amateurbereich nicht an den zweiten Mannschaften der Profiklubs festmachen: "Das Argument der Amateure, dass sie Zuschauereinbußen hätten, stimmt nicht. Und den Wettbewerb verfälschen wir auch nicht, weil niemand Lizenzspieler delegiert, um die zweite Mannschaft zu stärken", sagte der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt.
Entscheidend für die Behandlung der Reformvorschläge wird sein, ob eine Änderung auf dem DFB-Bundestag mit einfacher oder mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden muss. Im letzteren Falle hätten die Profivereine eine Sperrminorität. Zur Klärung dieser Frage tagen bereits Juristen.