04.Mai 2011, 13:59 Uhr
Fussball
Die Chancen aufs Champions-League-Endspiel stehen für Schalke 04 eins zu elf, sagen die Wettanbieter vor dem Halbfinalrückspiel bei Manchester United heute Abend. Ohne Raul könnte man derlei Zahlenspiele wohl direkt sein lassen. "Mr. Champions League" ist die viel versprechendste und vielleicht einzige Hoffnung der Schalker auf das Wunder im "Theater der Träume". Es könnte für immer der letzte Königsklassen-Auftritt des "Königs" sein - schon wieder.
"CR7" wäre ohne ihn nur noch eine Erinnerung. Denn eigentlich sollte es die Nummer 7 bei Real Madrid nach Rauls Abschied nie wieder geben, auch nicht für Cristiano Ronaldo, der diese Zahl bei Manchester United so liebgewonnen hatte. Doch als Raul 2010 seinen Heimatklub gen Gelsenkirchen verließ, wechselte Ronaldo, ein Jahr zuvor von den "Königlichen" verpflichtet, dankbar von der 9 auf die 7 - für Raul war das Einfrieren seiner Nummer zu viel der Ehre.
Bescheidenheit, Mannschaftsgeist und die bedingungslose Liebe zum Fußball - das hat den inzwischen 33-jährigen Spanier dahin gebracht, wo er heute steht: bei 143 Champions-League-Spielen und 71 Champions-League-Toren (drei davon in Endspielen). Beides ist Rekord. Und beide Marken sind vielleicht noch nicht am Ende: Heute Abend, wenn Schalke das Unmögliche möglich machen, ein 0:2 im Old Trafford noch umbiegen will, hält wohl nur Raul die königsblauen Hoffnungen noch am Leben.
"Fußball ist Fußball. Da ist alles möglich", sagt er und meint: "Für uns wird es sehr, sehr schwierig." Vier seiner 71 Tore schenkte Raul immerhin den Red Devils ein, bei nur drei Einsätzen. "Spiele gegen United sind immer etwas ganz Besonderes." Sollte Schalke ausscheiden, würde das genauso gelten; denn dann könnte es das gewesen sein, Rauls letztes Spiel in der Champions League, das Fallen des Vorhangs im "Theatre of Dreams".
Von Sentimentalität ist Raul trotzdem weit entfernt: "Schon gegen Valencia und Inter war mir stets bewusst, dass es meine letzten Spiele in der Champions League sein könnten", sagt der höfliche Leisetreter, "umso mehr habe ich sie genossen". Es wäre schließlich eine ebenso lange wie liebevolle Ehe, die da zu Ende gehen könnte, seit 1996/97 fand die Eliteliga nicht mehr ohne Raul statt. Ob es Zufall ist, dass man ihn, der als Profi nur bei den "Königlichen" und den "Königsblauen" spielte, den "König" nennt - der seit Jahren die "Königsklasse" verzaubert?
"Es ist etwas Spezielles und von großer Bedeutung", versuchte Raul jüngst gegenüber dem "Guardian" die besondere Magie der Champions League zu erklären. "Spiele in der Champions League sind anders als alle anderen." 1998, 2000 und 2002 setzte sich Raul Europas Krone schon auf, und auch 2011 hinterlässt er in "seinem" Wettbewerb noch tiefe Spuren: Fünf Tore gelangen ihm beim Schalker Triumphmarsch ins Halbfinale, über das bisher letzte, das 1:0 im Viertelfinalrückspiel gegen Inter Mailand (Endstand 2:1), freute er sich immer noch wie ein kleines Kind.
Ist das vielleicht sein größtes Geheimnis? Diese kindliche Liebe zum Fußball? Raul drückt es pragmatischer aus: "Ich hätte Vieles anders machen können, aber was ich wirklich schätze, ist Fußball. Deswegen bin ich hier." Man dürfe sich einfach nicht von anderen Dingen ablenken lassen, so spare man sich die Energie für das Wesentliche, "das, was dich wirklich antreibt", auf: "Das kann dir helfen, deine Karriere zu verlängern. Und, hey, auch ich habe in Werbungen mitgemacht, aber ich habe immer versucht, mein Leben um den Fußball herum zu organisieren."