Fussball
08.Februar 2010, 09:29 Uhr
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123 Tage vor dem WM-Start haben DFB-Präsident Theo Zwanziger und Joachim Löw versucht, etwas Brisanz aus den Gesprächen rund um die Vertragssituation des Bundestrainers zu nehmen, doch ist das Säbelrasseln nach den abgebrochenen Vertragsverhandlungen unüberhörbar. "Ich bin über den ganzen Ablauf stark verärgert", sagte Löw nach der Gruppenauslosung der EM-Qualifikation in Warschau.

"Wir haben insgesamt ein schlechtes Bild abgegeben. Es stört mich ungemein, dass gewisse Dinge in die Öffentlichkeit gekommen sind." Am meisten echauffierte sich Löw über den zeitlichen Druck, der seitens des DFB aufgebaut worden sein soll. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass mir der DFB mit dem Vertragsangebot in der vergangenen Woche ein Ultimatum gesetzt hat", so der Bundestrainer gegenüber dem SID. "Ich bin seit sechs Jahren leitender Angestellter, und wir haben mit unserem Team alles für den Erfolg der Nationalmannschaft und die Reputation des deutschen Fußballs getan. Da kann es nicht sein, dass ich ein Angebot innerhalb von 48 Stunden annehmen soll."

Nicht weniger angesäuert reagierte auch der in die Schusslinie geratene DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. "So sollte man nicht mit dem Bundestrainer und seinem Team umgehen. Da geht es auch um die Form", sagte Bierhoff in der ARD. Zudem stellte er die Zukunft der sportlichen Führung nach der WM in Südafrika in Frage: "Wir müssen mit der Situation professionell umgehen, auch wenn es im Sommer nicht weitergeht, egal von welcher Seite. Wir werden aber auf jeden Fall so planen, als würden wir weitermachen."

Dabei sieht Löw seine Zukunft beim DFB ganz eindeutig an der Seite von Teammanager Bierhoff. Auf die Frage, ob Löws Zukunft "weiter auch mit der von Oliver Bierhoff verknüpft sei, sagte der Bundestrainer: "Ja, wir sind und bleiben ein Team, das in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet hat und das auch in Zukunft tun wird."

Nach den verbalen Scharmützeln haben sich die beteiligten Fraktionen nun darauf verständigt, das Sportliche - sprich die Vorbereitung auf die WM in Südafrika - in den Mittelpunkt zu rücken. "Es wird bei mir keine Ablenkung, keine Ausreden geben", sagte Löw und fügte an: "Wir sind alle Profis. Wir haben jetzt den Auftrag, uns ganz auf die WM zu konzentrieren und sie mit aller Kraft und Dynamik vorzubereiten." Aus diesem Grunde wird es laut Löw vor der WM "auf keinen Fall" neue Gespräche über eine Vertragsverlängerung geben.

Nachdem DFB-Präsident Zwanziger bereits am Samstag prinzipiell seine Absicht bekundete, auch nach der WM an Löw festzuhalten ("Ich will Joachim Löw als Bundestrainer behalten. Er ist mein erster Ansprechpartner"), gab es ein solches Bekenntnis für den Bierhoff nicht.

Bierhoff: Keine Forderung nach Signing Fee

Am Sonntag ging der Teammanager in die Offensive, nachdem ihm von mehreren Seiten wegen der geplatzten Vertragsverlängerung der Schwarze Peter zugeschoben wurde: "Da sind viele Dinge durcheinandergeworfen worden, die veröffentlichten Zahlen stimmen so nicht." In der Sendung Sky90 des Pay-TV-Senders Sky sagte Bierhoff, dass er und Löw nie eine Bonuszahlung für die Unterschrift unter einen neuen Vertrag gefordert hätten. "Die Forderung einer Signing Fee hat es nie gegeben. Es ist von einer einmaligen Zahlung die Rede gewesen, die aber erst im Nachhinein während der Laufzeit gezahlt werden sollte", sagte Bierhoff und sprach von einer "Gehalterhöhung in einer Einmalzahlung". Ein solcher Vertragsbestandteil habe auch der DFB-Vorschlag enthalten, sagte Bierhoff. Er räumte ein, dass die Höhe der vorgeschlagenen Beträge unterschiedlich gewesen seien.

Bierhoff gab auch zu, dass er ein Veto-Recht gefordert habe, "dass ohne meine Zustimmung kein Bundestrainer ausgewählt werden kann, aber nur im Zeitraum von 2010 bis 2012." Nach den Unstimmigkeiten der vergangenen Tage sei es nun "wichtig, die Nerven zu bewahren und wieder Ruhe hereinzubringen", sagte Bierhoff weiter.

Zwanziger: Bierhoff habe "neue Fakten geschaffen"

Zwanziger machte keine Hehl daraus, dass er Bierhoff für die gescheiterten Vertragsgespräche verantwortlich sehe. Es habe beim ersten Gespräch mit Löw Mitte Dezember keine Anzeichen für gravierende Unterschiede gegeben, "die gab es erst, als Bierhoff in einem Gespräch Mitte Januar neue Fakten geschaffen hat, indem er uns Entwürfe für völlig neue Verträge präsentiert hat. Wir wollten verlängern - doch wir wollten keinen neuen Vertrag machen."
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