Fussball
31.Mai 2011, 14:17 Uhr
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Der am Abend in Zürich beginnende FIFA-Kongress steht weiter unter keinem guten Stern: Zunächst kam die Meldung, dass neun bis zehn asiatische Delegierte Zürich aus Protest gegen die Suspendierung des ursprünglichen Präsidentschaftskandidaten Mohammed Bin Hammam wieder verlassen haben sollen. Und dann forderte der englische Fußball-Verband FA auch noch eine Verschiebung der Präsidentenwahl und ging damit offen auf Konfrontationskurs zu Amtsinhaber Sepp Blatter.

FA-Präsident David Bernstein bat in einem Statement auf der Verbandsseite weitere nationale Verbände, die FA zu unterstützen. Zum einen möchten die Engländer die Wahl verschieben und "diesem Prozess Glaubwürdigkeit zu verleihen, so dass ein reformorientierter Kandidat die Gelegenheit erhält, als Präsident zu kandidieren". Außerdem will der Verband die Einrichtung eines externen FIFA-Kontrollorgans, wie es auch schon DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger gefordert hatte.

Bernstein sprach von einer "sehr schädlichen Zeit für den Ruf der FIFA und somit für den ganzen Fußball". Um das Vertrauen in die Regierungsspitze zu stärken, seien die vorgeschlagenen Maßnahmen "ein positiver Schritt und das Mindeste, das geschehen sollte".

Die FA hatte schon vor zwei Wochen angekündigt, sich bei der FIFA-Wahl zu enthalten. England war bei der WM-Vergabe 2018 leer ausgegangen. Nach der deutlichen Niederlage gegen Russland waren bereits aus dem Mutterland des Fußballs Bestechungsvorwürfe an die FIFA gerichtet worden. Zahlreiche Enthüllungen im aktuellen Skandal des Weltverbandes stammen von britischen Medien.

FIFA 08 Protest mehrerer Asien-Delegierter

Auch die Ankündigung des Rückzugs von asiatischen Delegierten aus dem Ort Zürich war zuvor schon keine gute Nachricht für Blatter. Ein Mitglied der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) bestätigte, dass "neun oder zehn" der 46 Verbände ihre Vertreter abgezogen haben.

Als Grund gab er eine "tiefe Empörung über das FIFA-Ethik-Komitee" an. Dieses habe seine Kompetenzen "eindeutig überschritten". Der Katarer Bin Hammam wollte bei der Präsidentschaftswahl am Mittwoch eigentlich gegen den Schweizer Amtsinhaber Blatter antreten, zog seine Kandidatur aber zurück, nachdem bekannt geworden war, dass das Ethik-Komitee der FIFA wegen Korruptionsvorwürfen gegen ihn ermittelt.

Das Komitee suspendierte Bin Hammam und CONCACAF-Chef Jack Warner, sprach aber den gleichfalls beschuldigten Blatter frei. Auf dem Kongress ist der Schweizer nun einziger Kandidat für eine Wiederwahl. DFB-Präsident Zwanziger stellt sich als Nachfolger von Franz Beckenbauer für einen Platz im Exekutivkomitee zur Wahl. Zwanziger reiste am Dienstag nach Zürich zum FIFA-Kongress - mit einem flauen Gefühl im Magen. Denn auch der DFB-Präsident sieht den Ruf des Weltverbandes wegen der anhaltenden Affäre beschädigt. Deshalb fordert Zwanziger mehr Transparenz und die dauerhafte Installation einer externen Untersuchungskommission.

FIFA 08 Sponsoren besorgt über Negativschlagzeilen

Kritik am Erscheinungsbild der FIFA kam auch von Sponsorenseite: Ein Sprecher des amerikanischen Getränkeherstellers Coca-Cola nannte das Führungschaos "beunruhigend und schlecht für den Sport". Der Konzern wolle der FIFA aber weiter die Treue halten.

Sportartikel-Hersteller adidas aus Herzogenaurach verurteilte die jüngsten Entwicklungen: "Der negative Tenor der öffentlichen Debatte um die FIFA ist weder gut für das Image des Fußballs noch der FIFA und seiner Partner", sagte Firmensprecher Jan Runau am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Auch adidas wolle jedoch die "langjährige und erfolgreiche Partnerschaft" fortsetzen.

Auch die Fluggesellschaft Emirates zeigte sich "enttäuscht über die Vorfälle, die um die Führung des Sports kreisen", wie Firmensprecher Boutros Boutros am Dienstag in einer Pressemitteilung erklärte.
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