06.Juni 2011, 21:03 Uhr
Fussball
Als Max Eberl (37) im Oktober 2008 den Posten des Gladbacher Sportdirektors übernahm, rümpften viele die Nase: Vom Nachwuchskoordinator zum Boss der Profis, ein mit Skepsis beobachteter Werdegang. Doch immer mehr erweist sich dieser nun als Wettbewerbsvorteil für die Borussia im Kampf um deutsche Talente.
So lehnte Karlsruhes U-19-Nationalspieler Matthias Zimmermann (18) Offerten aus Stuttgart, Hoffenheim Kaiserslautern und Augsburg ab, entschied sich für Gladbach. Begründung: "Max Eberl hat mich schon seit drei, vier Jahren beobachtet." Und: Neben Zimmermann hat Eberl einen weiteren Junioren-Nationalspieler fest an der Angel: U-20-Spielmacher Lukas Rupp (19), ebenfalls vom KSC.
Die entscheidenden Ablöseverhandlungen mit dem Zweitligisten stehen noch aus, doch beide Spieler bekennen sich längst eindeutig zur Borussia. Unter Druck steht der KSC speziell im Fall Zimmermann, dessen Vertrag nur noch eine Saison läuft. Die Variante, im Zweifelsfall 2012 ablösefrei nach Gladbach zu wechseln, hat er inzwischen schon selbst öffentlich ins Spiel gebracht - durchaus typisch für den forschen Youngster.
Dagegen gilt Rupp eher als zurückhaltend, zudem ist er noch bis 2013 an den KSC gebunden. Mögliche Lösung: Ein Tausch mit Verteidiger Bamba Anderson (23, Vertrag bis 2014), in Gladbach ohne Perspektive, aber für Karlsruhe angeblich interessant.
Fußballerisch ist Rupp begabter als Zimmermann
Rupp und Zimmermann verkörpern derweil nicht nur vom Naturell her krasse Gegensätze, sondern auch sportlich. Der aggressive, körperlich robuste Zimmermann ist fußballerisch nicht herausragend, macht dies aber (ebenso wie unverkennbare taktische Defizite) durch Schnelligkeit und Zweikampfstärke wett. Beim KSC war er vergangene Saison als Rechtsverteidiger gesetzt (33 Spiele, kicker-Notenschnitt 3,71), fühlt sich als Mittelfeld-Abräumer indes mindestens genauso wohl. Womit der Teenager die von Trainer Lucien Favre (53) bei allen Neuzugängen geforderte "Polyvalenz" also verkörpert. Dazu passt, dass trotz Zimmermann mit dem Brasilianer Marcos Camozzato (27, FC Brügge, Vertrag bis 2013) ein weiterer Kandidat für die rechte Defensivseite gehandelt wird.
Fußballerisch ist Rupp begabter als Zimmermann, vergleichbar Fuß gefasst hat er jedoch noch nicht: Bei 24 Einsätzen (kicker-Note 3,56) stand er 14-mal in der Startelf, erzielte drei Tore (kein Assist). Vor allem physisch und im Zweikampfverhalten muss der schmächtige 1,78-Meter-Mann (64 Kilo) zulegen. Doch das galt bei seiner Verpflichtung 2009 auch für einen Marco Reus (22).