Fussball
05.Mai 2011, 18:24 Uhr
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Dieter Schneider (64) heißt seit Februar der Präsident des TSV 1860 München. Er will den Verein retten, macht dabei immer öfter Alleingänge. Die Kritik nimmt zu.Zuletzt gab es dieses Freundschaftsspiel in Dachau. Dieter Schneider saß dort auf der Reservebank mit einem blauen Löwenschal um den Hals und schaute sich das Spiel interessiert aus nächster Nähe an. Ein ungewöhnlicher Sitzplatz für einen Präsidenten, genauso ungewöhnlich wie die Tatsache, dass er beinahe vor jedem Punktspiel in der Mannschaftskabine vorbeischaut.

FIFA 08 Schneider steht gerne im Mittelpunkt

Im Oktober wurde aus dem Sponsor der Vizepräsident und seit Februar ist er gar der erste Mann und an noch mehr Fronten aktiv. Manche meinen langsam: an zu vielen. Ohne Schneider geht nichts, er führt Verhandlungen mit Spielern, gibt die Strategie im Investorendeal vor, ist das Sprachrohr des Vereins. Zwar schaffte er es, in sechs Monaten dem Klub wieder eine Perspektive zu geben, er malocht, doch Geschäftsführer Robert Schäfer (34) und der Aufsichtsrat werden in vielen Fragen nicht mehr gehört.

FIFA 08 Vereinspolitik als One-Man-Show?

Dem Verein hat er im Oktober 500 000 Euro geliehen, doch der Klub muss aufpassen, dass die Vereinspolitik nicht zu einer One-Man-Show verkommt. Der 64-Jährige zieht die Strippen - im Vorder- wie im Hintergrund. Als es um die Laufzeit bei der Verlängerung von Daniel Bierofkas Vertrag ging, gab er dem Spieler eigenmächtig einen Zweijahresvertrag. Bei seiner Entscheidung, mit Miki Stevic nicht mehr zu verlängern, stellte er den eigentlich zustimmungspflichtigen Aufsichtsrat vor vollendete Tatsachen, was besonders für Ärger mit Schäfer sorgte. Wegen dessen Nähe zu Stevic verhandelte Schneider auch ohne Schäfers Wissen schon länger mit Florian Hinterberger, der nun Sportkoordinator geworden ist. Als man sich mit Trainer Maurer auf eine Weiterarbeit geeinigt hatte, ging Schneider vor die Presse, nicht wie vorgesehen Schäfer.

Schneider, Besitzer einer Firma, die Fahrzeugzubehör herstellt, liebt Alleingänge. So war die Aufregung im Klub groß, als der 64-Jährige vergangene Woche verkündete, dass man sich grundsätzlich mit dem arabischen Investor einig sei. Zu einem Zeitpunkt, als der Vertragsentwurf mit den internen Gremien noch gar nicht durchdiskutiert war - und ohne eine Lösung hinsichtlich der Forderungen der Gläubiger (14,5 Millionen Euro) parat zu haben.

Sein Weg, diese nun vor die Entscheidung zu stellen, entweder 40 Prozent des Geldes oder nichts, stößt im Verein auf Unverständnis. Zumal 1860 ein Vorschlag von Hauptgläubiger Nicolai Schwarzer vorliegt, wie alle zufriedengestellt werden könnten.

FIFA 08 Stimmen die Gläubiger nicht zu, scheitert der Deal

Die Gläubiger wollen einen Teil ihres Geldes als KGaA-Anteile (keine Stimmrechtsanteile, die nur zu 49 Prozent veräußert werden dürfen), genauso übrigens wie die Hausbank (NF Bank) mit ihrer Forderung von fünf Millionen Euro verfahren würde. Die Anteile sollen dann treuhänderisch verwaltet werden. Doch Schneider sagte am Dienstag öffentlich, es gebe keine weiteren Anteilsverkäufe.

Ein Vorpreschen, das im Verein kritisch beäugt wird, denn stimmen die Gläubiger nicht zu, scheitert der Deal. In dieser Woche noch will sich der Aufsichtsrat damit befassen. Ein hochrangiger Vereinsvertreter zum kicker: "Schneider hat derzeit eine starke Position. Wenn die finanzielle Situation gelöst ist, müssen wir sehen, dass sich das wieder einrenkt."
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