21.Mai 2011, 16:31 Uhr
Fussball
Wenn es noch keine Duisburger Parole für das heutige Pokalfinale (20 Uhr, live in der ARD und bei Sky) gegen Schalke 04 gab, Milan Sasic, der Trainer der „Zebras", hat sie am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel geprägt: „Kein Problem und kein Verletzungspech kann größer sein, als unser Wille, alles zu versuchen."
Das klingt offensiv, kämpferisch, klingt nach Flucht nach vorn. Sasic weiß, warum er das tut. Seine Mannschaft hat Verletzungsprobleme, sehr große sogar. Wen er im Finale aufstellt, wusste er am Vorabend des Finales noch nicht, weil noch drei Spieler angeschlagen sind. Einer von ihnen ist Ivica Grlic, der landauf, landab „Ivo" genannt wird, und der mit Mitte Dreißig auch schon Teammanager des MSV und bei den Fans eine Legende ist. Am Samstag, sagt er, wolle er einen Test machen, ob es klappt mit seinem Einsatz. Wie es ihm geht, wird Grlic gefragt. „Im Sitzen geht's", sagt er. Da müsse er weiter sein, wenn er nicht auch das Finale schmerzfrei, aber sitzend verfolgen möchte.
"Wir können befreit aufspielen"
Dass Zweitligist MSV auch ohne die vielen Verletzten gegen den Champions-League-Halbfinalisten aus Gelsenkirchen der Außenseiter gewesen wäre, das bestreitet keiner, auch Ivo Grlic nicht. „Unsere Chance ist, dass es nur ein Spiel ist, nur 90 oder 120 Minuten. Die Favoritenrolle ist klar, wir können befreit aufspielen", sagt Grlic.
Befreit und mit großem Willen, wie Sasic betont, das könnten Duisburgs Trümpfe sein. „Wir laufen nicht weg, und wir jammern nicht", sagt der Trainer. „Natürlich ist dieses Spiel ein Höhepunkt, auch für mich, vor allem aber für die Stadt und für unsere treuen Fans. Wir werden alles tun, um sie zufriedenzustellen." Das gelang ihnen schon mehrfach in dieser Pokal-Saison, etwa bei den Siegen gegen die klassenhöheren Teams aus Köln und Kaiserslautern und, klar, beim Finaleinzug gegen Energie Cottbus.
Schalke will die Fans zufriedenstellen
Ihre Fans zufriedenstellen – das wollen auch die Schalker in ihrem letzten Saisonspiel nach starker internationaler und durchwachsener Bundesliga-Saison. „Natürlich zollen wir unserem Gegner Respekt, nicht umsonst hat der MSV zwei Bundesligisten ausgeschaltet", sagt der Schalker Trainer Ralf Rangnick. „Aber wir sind der festen Überzeugung, dass wir das Spiel gewinnen. Wir hoffen, dass uns die Atmosphäre beflügeln wird." Für S04 sei es nicht allein das Endspiel um den DFB-Pokal, sondern auch ein Qualifikationsspiel um einen Platz in der Europa League. „Dort wollen wir hin", sagt Rangnick. „Wir sind fokussiert, haben aber auch die nötige Lockerheit", sagt Horst Heldt, der Sportdirektor.
In der Champions League, fährt Heldt fort, habe man Herausragendes und Historisches geleistet: „Die Siege gegen Inter Mailand haben uns mit Stolz erfüllt. Und im Halbfinale gegen Manchester United auszuscheiden – das ist auch anderen schon passiert." Genau so deutlich fällt aber auch sein Resümee der Leistungen in der Bundesliga aus: „Wir haben unsere Erwartungen in der Liga zu keiner Phase der Saison erfüllt. Das war nicht unser Anspruch." Der Pokalsieg könne diese turbulente Saison krönen.
"Das war der emotionalste Augenblick"
Seit gut zwei Monaten ist Ralf Rangnick zurück in Gelsenkirchen. Mit drei Zielen, sagt er, sei er angetreten: frühzeitig die Klasse sichern, in der Champions League gute Spiele zeigen, den DFB-Pokal gewinnen. Die ersten beiden haben die „Königsblauen" erreicht. Heute soll das dritte folgen, „denn wenn man so weit gekommen ist, will man am Ende auch gewinnen". Auf dem Weg ins Finale erlebten die Schalker einige bewegende Momente, etwa Raúls Siegtreffer im Halbfinale bei Bayern München, vor allem aber das Tor des damals 17-jährigen Julian Draxler in der letzten Minute der Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg. „Das war der emotionalste Augenblick", sagt Heldt und lächelt in Erinnerung an dieses besondere Tor und vielleicht auch in der Hoffnung, dass die Emotionen auch heute wieder hochschlagen.
Schalke ist die Auswärtsmannschaft, das heißt der MSV Duisburg spielt in seinem üblichen Dress, „Königsblau" spielt in „ultra beauty", ein Brombeer-Ton, irgendwo zwischen pink und violett. „Wir hätten gerne in unseren Vereinsfarben gespielt", sagt Horst Heldt, „aber unsere Fans werden unsere Spieler schon noch erkennen." Schließlich geht es um etwas Wichtigeres als die Farbe der Trikots: um den DFB-Pokal.