10.Mai 2011, 07:53 Uhr
Fussball
Eines ist klar: Überstürzt handelt er nicht, nicht vor dem Tor, nicht bei der Karriereplanung. Ob Hoffenheim, Wolfsburg oder gar Schalke 04 - Nils Petersen, Zweitliga-Toptorjäger in Diensten von Energie Cottbus, hat ihnen allen schon einen Korb gegeben. Im Rennen um den heiß umworbenen Blondschopf gilt es inzwischen als sicher: Die Wahl wird zwischen dem FC Bayern und dem Hamburger SV fallen. Angst hätte er vor beiden nicht, nur: Was würde Sinn machen?
Nicht weniger als 14 Anfragen liegen laut Berater Lars-Wilhelm Baumgarten auf Petersens Schreibtisch, allein zehn aus der Bundesliga. Entscheiden wird sich der 22-Jährige, das scheint nun festzustehen, zwischen den Bayern oder dem HSV. Zuletzt musste der SC Freiburg seine Hoffnungen begraben, Petersen als möglichen Nachfolger für Torjäger Papiss Demba Cissé zu verpflichten, zuvor hatten sich bereits Hoffenheim, Wolfsburg und im Januar auch Felix Magath, damals noch Schalke-Boss, Körbe eingehandelt.
Klar ist: Mehr als 2,8 Millionen Euro müsste kein Erstligist auf den Tisch legen, diese Summe ließ sich Petersen im Februar in den bis 2014 verlängerten Vertrag festschreiben. Unklar ist: Welches Team würde zu ihm passen - und umgekehrt? Mit 24 Saisontoren hat er schon vor dem abschließenden Spieltag die Zahl aus dem Vorjahr verdoppelt. Aber reicht das, um sich im Oberhaus durchzusetzen? "Ich habe drei Halbjahre immer zweistellig getroffen", sagt Petersen selbstbewusst, "ich bin reif für die erste Liga".
Bayern oder HSV - auf den ersten Blick scheint man dem U-21-Nationalspieler zu den Hanseaten raten zu wollen. Chancen auf einen Stammplatz, mit Michael Oenning ein Trainer, der sich als Talente-Entwickler einen Namen gemacht hat, und ein Karrieresprung, der weniger zum tiefen Rück-Fall einlädt.
Und auf den zweiten Blick? Petersen ist ein Vollblut-Strafraumstürmer, kein Konterstürmer, keiner für einen Ein-Mann-Sturm. Nicht zufällig traf er in dieser Saison kein einziges Mal nach einem schnellen Gegenstoß oder von außerhalb des Sechzehners. "Ich habe keine 100 Ballkontakte im Spiel", weiß Petersen, "aber ich stehe an der richtigen Stelle, wenn es darauf ankommt". Er braucht eine offensiv ausgerichtete Mannschaft um sich herum, eine Mannschaft wie Energie Cottbus unter "Pele" Wollitz - eine Mannschaft wie den FC Bayern? Auch Jupp Heynckes, FCB-Coach ab Sommer, hat Spaß am Schleifen von Rohdiamanten.
Das Vorbild: Wohlfarth schlug als Zweitliga-Torschützenkönig in München ein
Zutrauen würde ihn sich Petersen, den größtmöglichen Sprung von der Lausitzer Idylle zum Rekordmeister. "Ich würde mich hinten anstellen müssen, aber davor hätte ich keine Angst", versichert er. Anstellen hinter Mario Gomez, Thomas Müller, Miroslav Klose und Ivica Olic - eine ähnliche Herausforderung wagte bislang nur einer: Roland Wohlfarth wechselte 1984 als einziger Zweitliga-Torschützenkönig (30 Treffer für den MSV Duisburg) zu den Bayern - und schlug voll ein. Andererseits: Ein Mario Gomez, von der Spielanlage her bereits mit Petersen verglichen, kam selbst als gestandener Bundesliga-Torjäger in München anfangs nicht zurecht.
Wer auch immer das Rennen macht, Petersen will es Anfang kommender Woche verkünden. In den nächsten Tagen wird er sich noch einmal mit seinem Berater in Sachen Zukunftsplanung unterhalten - und dem nächsten großen Bundesliga-Klub einen Korb geben.