08.März 2010, 15:24 Uhr
Fussball
Am Dienstag und Mittwoch werden die ersten vier Viertelfinal-Tickets der Champions League ausgespielt. Mit im Topf: der FC Bayern. Die Elf von Louis van Gaal muss beim AC Florenz den knappen 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigen. Arsenal ist gegen Porto ebenso gefordert wie die Toskaner, auch hier ging Teil eins 2:1 aus. Am Mittwoch steht Real nach dem 0:1 in Lyon unter Druck, ManUnited mit einem 3:2 im Rücken gegen Milan scheinbar vor einer Pflichtaufgabe.
Trotz des reichlich knappen, schmeichelhaften und durch einen klar im Abseits postierten Klose erst spät besiegelten 2:1-Erfolgs aus dem Hinspiel ist der FC Bayern vor dem Rückspiel beim AC Florenz guter Dinge. "Wir haben es selber in der Hand", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag vor dem Abflug. Louis van Gaal muss in der Abwehr auf Demichelis und Contento verzichten, doch im Mittelpunkt steht ohnehin das Mittelfeld mit Robben und vor allem Ribery. Der Franzose geht zwar geplagt durch Sprunggelenk-Schmerzen ins Match, will sich aber dennoch auf internationaler Bühne spielfreudig präsentieren. Schließlich geht es um seine Zukunft. Vertragsverlängerung oder Wechsel im Sommer, es wird langsam spannend im Fall des Dribbelkünstlers, der noch bis 2011 an den deutschen Rekordmeister gebunden ist.
Gegner Florenz hofft, die Bayern-Offensive im Zaum halten zu können. Und auf einen gnädigen Schiedsrichter. Denn nicht nur in München, auch gegen Milan und Juve (jeweils 1:2) verloren die Violetten auch deshalb, weil klare Elfmeter zu Gunsten der Prandelli-Elf nicht gegeben wurden. Damit einher geht freilich auch eine stark abwärts tendierende Formkurve (nur ein Sieg aus den vergangenen zehn Pflichtspielen). Im Falle eines Weiterkommens gegen die Bayern stünde die Fiorentina erstmals in der Klubgeschichte im Viertelfinale der Champions League - Prandelli will mit seiner Elf also "Geschichte schreiben".
Fabregas fällt aus und steht doch im Fokus
Ähnlich Ribery sollte im zweiten Spiel des Abends Cesc Fabregas im Fokus stehen. Der Star des FC Arsenal strebt mit den "Gunners" die nächste Runde an, seine Teamkollegen müssen jedoch ohne ihn ein 1:2 aus dem Hinspiel in Porto aufholen - eine Oberschenkelverletzung verhindert seinen Einsatz. Ebenso wie Ribery wird Fabregas mit anderen Klubs (v.a. FC Barcelona) in Verbindung gebracht. Beim 3:1 über Burnley gelang ihm sein 14. Saisontor - er ist weiter torgefährlichster Mittelfeldspieler in Englands Oberhaus. Der vierte Ligasieg in Folge hält Arsène Wengers Schützlinge im Titelrennen der Premier League. Gegner FC Porto verlor mit nur einem Punkt aus zwei Spielen in der Liga weiter an Boden gegenüber Spitzenreiter Benfica und bleibt Dritter. Immerhin zeigte die Ferreira-Elf gegen Kellerkind Olhanense zu Hause Moral und kam nach 0:2-Rückstand vor eigenem Publikum noch in der Schlussminute zu einem 2:2.
Der große Traum: Real will nach Madrid
Bei Real Madrid läuft's blendend - in der Liga. Sieben Siege in Serie, 25:6 Tore und auf Titelkurs! Auch ein 0:2-Rückstand am Samstag gegen Sevilla konnte die "Königlichen" nicht aus der Bahn werfen. Rafael van der Vaart drückte die Kugel in der Nachspielzeit zum 3:2 über die Torlinie. Und das am 108. Geburtstag des Nobelklubs. Trainer Manuel Pellegrini, der auf die gelbgesperrten Marcelo und Xabi Alonso verzichten muss, dürfte sich vor allem über die Belebung des Spiels nach den Einwechslungen von van der Vaart und Guti (jeweils kicker-Note 1) gefreut haben. Beide stellen vor dem wichtigen Heimspiel gegen Olympique Lyon am Mittwochabend (20.45 Uhr) wertvolle Alternativen dar, sollte das von Kaka gelenkte Angriffsspiel gegen die Franzosen zunächst wie gegen Sevilla kranken. Ein Weiterkommen gegen "OL" ist für Real lebenswichtig, will sich der Klub den großen Traum erfüllen und am 22. Mai im eigenen Bernabeustadion zu den Endspielteilnehmern gehören. Im Falle eines Scheiterns würden die Madrilenen zum sechsten Mal in Folge das Viertelfinale verpassen! Ob Pellegrini dann auch noch in der kommenden Saison Trainer wäre, ist zumindest fraglich.
Lyon verpatzte die Generalprobe durch ein fades 0:0 bei Aufsteiger Boulogne-sur-Mer. "Nein, wir haben nicht an das Rückspiel gegen Real am Mittwoch gedacht", hielt der schwedische Mittelfeldspieler Kim Källström hernach fest. Es habe an der nötigen Frische und Effizienz gefehlt. Dennoch freut sich Trainer Claude Puel über eine wieder "näher zusammengerückte" Mannschaft, die seit 620 Spielminuten ohne Gegentor ist. Linksverteidiger Cissokho ist wegen Knöchelproblemen fraglich.
Berlusconi erzählt Witze - Rooneys dickes Knie
Auch wenn es Milan-Boss Silvio Berlusconi nicht schmecken wird, das Aus seiner Schützlinge im Achtelfinale gegen Manchester United scheint nach dem 2:3 im Hinspiel in San Siro fast nicht mehr abzuwenden. Immerhin steuert die Mannschaft von Trainer Leonardo in der Serie A auf eine weitere CL-Teilnahme zu, frisches Geld für Investitionen (u.a. Wolfsburgs Dzeko) scheint damit sicher. Überlegenheit und gute Torchancen reichten am Samstag nicht zum Sieg bei der Roma (0:0), Stadtrivale Inter konnte seinen Vorsprung in der Tabellen trotz der Nullnummer gegen Genua also bei vier Zählern halten. Berlusconi gibt indes alles, um die "Rossoneri" vor dem Spiel in Manchester zu motivieren. Der Patron lud Ronaldinho & Co. zum Mittagessen ein und erzählte einige Witze - dann dürfte ja eigentlich nichts schiefgehen.
Gastgeber ManUnited, das sich jüngst mit dem Ligapokaltriumph den ersten Titel der Saison sicherte und die vergangenen sechs Heimspiele in der Liga bei 23:0 Toren (!) gewann, kehrte am Wochenende durch ein 1:0 in Wolverhampton an die Tabellenspitze zurück (Chelsea hat bei zwei Punkten weniger noch ein Spiel mehr auszutragen). Trainer Sir Alex Ferguson bangt um den Einsatz von Goalgetter Wayne Rooney, der unter der Woche vom Nationalelfeinsatz (3:1 gegen Ägypten) mit dickem Knie zurückkehrte und schon gegen die Wolves nicht dabei war. "Er kann halt nie nein sagen", kritisierte Ferguson seinen Star-Angreifer, machte Nationaltrainer Fabio Capello jedoch keinen Vorwurf. Rooneys Offensivkollege Michael Owen fällt ohnehin schon für den Rest der Saison aus.