19.Mai 2011, 20:05 Uhr
Fussball
Für die Mannschaft der Stunde beginnt die Rechnung wieder bei Null, und Lucien Favre ist anscheinend nicht ganz wohl dabei. "Die Chancen stehen 50 zu 50", sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach vor dem heutigen Relegationshinspiel gegen den VfL Bochum heute (ab 20.30 Uhr, live in der ARD und bei Sky), das in 182 Ländern übertragen wird.
Vehement versucht der Schweizer dem allgemein vorherrschenden Eindruck entgegenzuwirken, die Relegation gegen den Zweitligadritten könnte für sein Team nach dem geglückten Ligaendspurt so etwas wie ein Selbstläufer werden.
Seine Spieler, die mit zehn Punkten in den letzten vier Spielen den direkten Abstieg verhindert haben, strotzen jedenfalls vor Selbstvertrauen. "Bochum ist keine schlechte Mannschaft, aber wir haben die besseren Einzelspieler und sind gut drauf. Wir wollen beide Spiele gewinnen", sagt Marco Reus.
Hanke rechnet fest mit dem Klassenverbleib
Mike Hanke ist sich derweil sicher, dass "wir es auf jeden Fall schaffen werden, wenn wir 100 Prozent geben und die Leistungen der letzten Wochen abrufen." Interessierte Beobachter sind sich ebenso sicher: In einer Online-Umfrage des Fachmagazins kicker mit weit mehr als 5000 Teilnehmern setzten beeindruckende 81,4 Prozent auf Borussia Mönchengladbach.
Eine von Favres vorrangigen Aufgaben vor dem Spiel dürfte sein, dass die Spieler seine Warnungen nicht als notwendiges Geschwätz hinnehmen, sondern als Aussagen mit durchaus realistischem Hintergrund verinnerlichen. Immerhin muss seine Mannschaft im Hinspiel heute im ausverkauften Borussia-Park wohl etwas tun, das sie seit Monaten nicht mehr getan hat und das auch nicht unbedingt ihre Stärke ist: das Spiel machen.
"Gladbach sollte sich nicht zu viele Fehler erlauben"
Der VfL Bochum stellt zudem eine unangenehm zu spielende Mannschaft, die nach schwachem Saisonbeginn auf dem Rasen regelmäßig die Kompaktheit zeigt, die Gladbach erst durch Favre nach dessen Amtsübernahme Mitte Februar verliehen bekommen hat.
Mit dem formstarken Mirkan Aydin, Top-Joker Giovanni Federico oder den allerdings angeschlagenen Mimoun Azaouagh und Chong Tese verfügt der VfL zudem über Spieler, die auch mal aus dem Nichts treffen können. Bochums Trainer Friedhelm Funkel formuliert es so: "Gladbach sollte sich nicht zu viele Fehler erlauben, denn wir haben Spieler, die diese Fehler ausnutzen können."
Bochum mit 15 Spielen ohne Niederlage
Auch dank einer Serie von 15 Spielen in Folge ohne Niederlage sammelten die Westfalen - wenn auch eine Etage tiefer - in der Zweitligarückrunde mehr Punkte (37) als Gladbach in der kompletten Erstligasaison (36). Favre reiht deshalb nicht ohne Grund Warnung an Warnung: "Das Selbstvertrauen in meiner Mannschaft ist groß, aber wir müssen eine Top-Leistung bringen, um Bochum zu besiegen."
Einhellig ist die Meinung auf beiden Seiten, dass die durchaus bemerkenswerten Statistiken, die rund um die beiden Relegationsspiele kursieren, zur Entscheidung wenig beitragen werden. Seit 15 Spielen hat Bochum gegen Gladbach nicht mehr verloren. "Das ist schön zu lesen, aber bringt uns gar nichts", sagt Funkel, und Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, einst Profi in Bochum, meint: "Den Angstgegner Bochum gibt es nicht. Es gibt nur zwei Endspiele."
Auch die Tatsache, dass Funkel und Bochum unabhängig voneinander die deutschen Aufstiegsexperten schlechthin sind, hilft dem VfL wohl kaum weiter. Funkel stieg als Trainer bislang fünfmal von der zweiten in die erste Liga auf. Bochum schaffte nach seinen bislang fünf Abstiegen immer den direkten Wiederaufstieg. Diesmal auch?