26.April 2011, 16:12 Uhr
Fussball
Beim Blick auf das eigene und das Restprogramm der Konkurrenz aus Dortmund sträubten sich bei Bayer-Sportchef Rudi Völler ein klein wenig die Nackenhaare. Wie bei Bayer Leverkusen 2002 heißen zwei der drei letzten Dortmunder Gegner der Saison Nürnberg und Bremen. Umgekehrt trifft Bayer auf Köln und den HSV - bei diesen beiden Klubs fuhr der BVB 2002 die Punkte ein, die schließlich zum Titel reichten.
"Eine fast makabre Duplizität", sagt der Sportdirektor des Verfolgers, der aus dem 31. Spieltag der aktuellen Spielzeit nur eine Lehre zog, nämlich die, dass es außer Punkten keine Weisheit gibt im Fußball: "Borussia Dortmund war in dieser Saison gefühlt schon fünfmal Meister. Borussia Mönchengladbach ist gefühlt schon fünf Mal abgestiegen. Aber Tatsache ist: Dortmund ist genauso wenig Meister wie Gladbach abgestiegen."
Was bedeutet das für Bayer Leverkusen? Zweierlei. Rudi Völler gibt sich kämpferisch: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Und wenn Dortmund dann patzt, sind wir da!" Aber er warnt: "Man kann immer nur den nächsten Schritt tun. Der kann für uns nur heißen, in Köln zu siegen. Denn was Dortmund und Gladbach betrifft, betrifft uns genauso: Wir sind noch nicht sicher in der Champions League!"
Nach dem erkämpften, erkrampften und erstotterten Sieg gegen die TSG Hoffenheim sind realistisch gesehen noch zwei Zähler aus drei Spielen nötig, um die lukrative Königsklasse endgültig erreicht zu haben. Davon aber will Völler nichts hören, Bayer strebt das Maximum an - neun Punkte sollen her!
Reicht es am Ende nicht, dann könnten die Verantwortlichen mit dieser Ausbeute natürlich formidabel leben. "Zweiter ist nicht gleich Zweiter", sagt Völler und blickt zurück: "2000 und 2002 war der zweite Platz eine unwahrscheinliche Enttäuschung. Ebenso wie der vierte Platz in der vergangenen Saison, als wir so lange auf Champions-League-Kurs waren. Das alles hat richtig wehgetan. Aber in dieser Saison ist das doch ein toller Erfolg!"
Dazu einer, der durch reichlich Millionen versüßt wird und Bayer eine gute Perspektive eröffnet, weil in Zukunft Platz vier ja wieder zur Teilnahme an der Qualifikation für die Königsklasse berechtigt. Wird mit dem Geld jetzt klug eingekauft - und niemand zweifelt ernsthaft daran, dass Bayer dies gelingt - kann sich die "Werkself" auf Jahre hinaus in der Bundesliga-spitze etablieren und wäre wieder das, was sie von 1997 bis 2004 war: ein Dauergast in der Champions League.
"Wir arbeiten jetzt seit fast zwei Jahren gemeinsam am Ziel Champions League, und jetzt wollen wir es in Köln packen", sagt Lars Bender, der ja nicht nur im Fernduell gegen Borussia Dortmund kämpft, sondern auch noch gegen seinen Zwillingsbruder Sven - mit dem er am Mittwoch gemeinsam den 22. Geburtstag feiert: "Wir haben allen Grund zu feiern", so Lars. Ein Geschenk gibt es (noch) nicht: "Das kann er sich selbst machen." Wenn die Ergebnisse stimmen...